Zum Tag der Arbeit

1th.May
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Ein Tag im Jahr, an dem in vielen Ländern für bessere Arbeitsbedingungen gekämpft wird. Die Feste und Demonstrationen hierzulande stehen neben einer heftigen Protest- und Widerstandswelle in Bangladesch. In der dortigen Textilindustrie herrschen miserabelste Produktions- und Arbeitsbedingungen, diktiert durch die global produzierenden Textildiscounter. Die Gesamtzahl der Toten stieg mit dem Einsturz einer Textilfabrik Ende April in Savar, am Rande von Dhaka um viele weitere Opfer an. Im Neuen Deutschland ist zu lesen:

Mehr als 2400 Menschen wurden verletzt, als das achtstöckige «Rana Plaza», in dem fünf Textilfabriken sowie Geschäfte und eine Bankfiliale untergebracht waren, in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka in sich zusammenfiel. Auch am Mittwochmorgen war noch nicht klar, wie viele Menschen noch unter dem Trümmerberg liegen könnten.

Die Wut der Arbeiter_innen entlud sich zum 1.Mai in Dhakas Strassen.

Die Wut über das Unglück, das mindestens 390 Menschenleben gefordert hat, ist riesig. Am Dienstag ging die Polizei in Savar mit Gummigeschossen, Tränengas und Wasserwerfern gegen Demonstranten vor, die die Todesstrafe für die Verantwortlichen forderten. Etwa 20 Menschen wurden verletzt (Berliner Zeitung).

Die Risse im Gebäude waren einen Tag vorher von Experten bemerkt worden, die das „Rana Plaza“ daraufhin sperrten.

Die meisten Opfer sind Textilarbeiterinnen, die in den oberen Stockwerken arbeiteten und am Mittwoch trotz Rissen im Mauerwerk an ihre Nähmaschinen mußten. Tausende Textilarbeiter trauerten um ihre Kollegen. Sie weigerten sich am Freitag, zur Arbeit zu gehen, und versammelten sich statt dessen zu Kundgebungen. In zahlreichen Textilfabriken in und um die Hauptstadt Dhaka mußte die Produktion wegen den Protesten eingestellt werden. Einige Demonstranten versuchten, zur Unglücksstelle vorzudringen, wurden aber von der Polizei mit Tränengas und Gummigeschoßen zurückgedrängt. Tausende Menschen blockierten wichtige Straßen. Sie würden nicht zur Arbeit gehen, solange ihre Kollegen noch im Schuttberg vergraben liegen, sagten die Demonstranten (junge welt).

Sogar der Papst hat die Arbeitsbedingungen in der Texttilindustrie Bangladeschs als Sklavenarbeit bezeichnet. Grund sind Billigstanbieter in Westeuropa, keine Durchsetzung von Sicherheitsstandards vor Ort, keine angemessene Entlohnung für Erwerbsarbeit weltweit. Arbeitsrechte sind eine globale Angelegenheit und für diese sollten sich alle wenigstens einen Tag im Jahr einsetzen – nicht nur unvermittelt in vielen Ländern, sondern auch koordiniert über viele Länder hinweg, sinnvollerweise entlang der Produktions- und Verwertungsketten. Eine derartige Weiterentwicklung und Neuausrichtung nicht nur globaler, sondern globalisierter Maiproteste wäre unter den aktuellen Kräfteverhältnissen revolutionär, weil sie den derzeitigen Produktionsverhältnissen angemessen wäre. Und es eh höchste Zeit ist für die nächste Gesellschaft, wie die ver.di Jugend zum 1.Mai 2013 formulierte.

In Hongkong und Tokio haben sie es vorgemacht:

5.000 Menschen hatten hier [Hongkong] u.a. für mehr Rechte für Gastarbeiter und Prostituierte demonstriert. „Wir sind Arbeiter und keine Sklaven“ war einer der Slogans der Demonstranten. […] 21.000 Arbeiter protestieren [in Tokio] für bessere Arbeitsbedingungen. Im inoffiziellen Ranking der größten Demo liegen sie damit ziemlich weit vorn.

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